Freitag, 15. Juni 2012

Selbsttherapie - immernoch

Zu den Eltern habe ich immernoch keinen Kontakt. Meine Mutter hatte wohl einen Herzinfarkt und liegt im Krankenhaus. Natürlich klingelte deswegen mein Telefon Sturm. Ich ignorierte alles. Ich kam mir aber vor wie in einem Theaterstück namens "Psychoterror". Ist es kalt meine Mutter nach einem Herzinfarkt zu ignorieren? Weiß ich nicht, aber wahrscheinlich dauert es zwei Wochen und meine Eltern machen mich für den Herzinfarkt verantwortlich. Tut mir leid, so weit reicht meine Hexenkunst nicht aus. Sie reicht aber aus, um den ganzen Mist zurück zu senden, wohin er gehört.

Ich versuche glücklich zu sein und es ist erstaunlich, dass es tatsächlich Eltern gibt, die gerade das nicht wollen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich möchte mich nicht auf eine Reinkanation oder ein Paradies verlassen, ich hätte gern ein schönes Leben, indem Menschen leben, die mir Raum für mein Glücklichsein lassen. Alle anderen Menschen, die meinen sie müssten Fluchen, Weinen, sich selbst bemitleiden, sich selbst runterziehen, sollen selbst da bleiben wo sie sind. Keiner wird ihnen freiwillig folgen.

Ansonsten gehe ich weiter den Weg der Selbsttherapie. Ich lese dazu parallel "Susan Forward - vergiftete Kindheit" und "Jean C. Jenson - die Lust am Leben wieder entdecken". Ich bin nun bei dem emotionalen Teil gelandet und dachte ja, dass es nicht so schwer sein wird. Ich las mir nur die erste Übung durch und konnte nur noch heulen. Die Übung bestand darin, sich ein Kinderfoto von sich selbst raus zu suchen und dieses Bild zu besprechen. "Du bist nicht verantwortlich dafür, dass sie (die Eltern) unglücklich waren". Und da sind etliche mehr Sätze angeführt und natürlich kann man die Sätze noch ergänzen. Für mich ein Horror meines Lebens: Kinderfoto´s von mir angucken. Verstand nie warum. Konnte den Anblick einfach nicht ertragen. Ich hatte keine Kindheit, sondern lebte nur für die Bedürfnisse von Erwachsenen.

Wie hart das klingt, muss mir die Worte immer wieder durchlesen ... aber es ist leider so gewesen. Wenn der eigene Wille wegerzogen wird und du nur Mist von Erwachsenen eingebläut bekommst vergißt du wer du eigentlich bist. Aber eins weiß ich: ich will mich entdecken =) Ich bin aufgeregt, was finde ich denn da? Wo ist mein Weg? Was ist mein Charakter? Was will ich überhaupt?

Es ist eine aufregende Zeit, aber auch eine Zeit, in der ich viel Schmerzen aushalten muss, damit er sich auflösen kann und Platz machen kann für ... mich =)

Oft frage ich mich, ob ich solch private Dinge von mir schreiben kann, hier im Blog. Schließlich werden Eltern verehrt, ja sie besitzen ja schon fast Götterstatus. "Ja er hat mich geschlagen, aber das hat mir gut getan." Sollte dieser Satz in deinem Kopf kursieren, so lass mir dir etwas auf den Weg mitgeben: Du bist gefangen in einer Schmerzensschleife. Verdammt immer und immer wieder zu wiederholen, Schmerzen zu erleiden und es auch noch gut zu finden. Du wächst an Schmerzen? Bin ich nicht deiner Meinung. Man wächst am Glücklichsein, man wächst im Einklang mit sich selbst zu sein, man wächst daran in Balance zu sein. Schmerzen sind Sterbeprozeße, Glücklichsein sind Lebensprozeße =) Sterben werden wir später, Leben tun wir jetzt.

Lebt! =)

Ansonsten rebelliert mein Körper momentan verstärkt auf den Stress der Aufarbeitung. Ich hab heftige Magenprobleme und ich bin furchtbar dusselig geworden. Klemmte mir vor paar Tagen den rechten Fuß im Schrank ein (jaja ^^). Der ist sowas von blau und dick und schmerzt bei der kleinsten Berührung. Andauernd hab ich Spreizel in den Händen (aaah das hasse ich! ^^).

Vor paar Tagen hatte ich einen unglaublichen Erfolg in meiner Selbsttherapie. Es ist fast unmöglich, doch es ist mir gelungen! So unter zu tauchen, dass man an eine kindliche Angst anknüpfen kann. Es ist mir gelungen! Zuerst war nur das Gefühl da, dass einfach nie jemand für mich da war. Dann stieg ich weiter hinab und dann war da das Gefühl des "Fallen gelassen werdens". Und dieses Gefühl traf mich so heftig, dass ich völlig Steif wurde und vergaß zu atmen. Und dann musste ich jedes Mal gähnen. Ich hatte das Gefühl, aber ich wusste nicht zu welchem Ereignis das Gefühl gehörte. Ich interpretierte das Gähnen, dass es etwas mit der Nacht zu tun haben müsste. Und dann kam es. Meine Eltern, die immer spät nachts von der Arbeit aus ihrer Kneipe kamen, stritten sich häufig gerade Nachts und manchmal schlugen sie sich auch Nachts. Und ich bekam natürlich alles mit. Ich fiel. Ich verlor jegliche Sicherheit und fiel und fiel und fiel. Ein Kind ohne Sicherheit stirbt, also spaltete ich das Gefühl von dem Ereignis ab. Alles war gut, aber das Gefühl war versteckt im Unterbewusstsein. Aber nun hatte ich es geschafft. Eine unbewusste Angst verband sich mit einem Ereignis. Und diese Angst kann mir heute nicht im Weg stehen. Ein Erfolg ;-) Es war unglaublich an die Gefühle eines Kindes anschließen zu können. Die Gefühle waren so heftig, aber auch rein und ehrlich. Richtig intensiv. Es war so ein Chaos in mir, aber es war so erleichternd.

Entschuldigt (mal wieder) meine seltenen Einträge im Blog. Ich liebe diesen Blog! Meinem Hund gehts momentan gut, Auge ist gut =) Garten explodiert förmlich in diesem Jahr! Es ist unglaublich wie üppig alles wächst. Jeder Samen keimt, ich habe null Platz!

Bis zum nächsten Mal!

Eure Niphredil.

Niphredil´s Hexentaverne

Ein Blog von einer Hexe, Studentin, Frau und Fotografin...

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Es wohnt Genuss im dunklen Waldesgrüne, entzücken weilt auf unbetretener Düne, Gesellschaft ist, wo alles menschenleer, Musik im Wellenschschlag am ewigen Meer. Die Menschen lieb ich, die Natur noch mehr. Lord Byron

***~~***

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