Die Geschichten des kleines Mannes...

Gestern ging es mir gar nicht gut. Da mein Hund bald operiert wird haben wir uns entschlossen wieder ein Teil des Erbes vom Vater meines Verlobten zu verkaufen. Er war leidenschaftlicher Sammler von .... allem. Wenn ich allem sage meine ich das auch. Von Briefen bis Münzen, Feldpost, Briefmarken etc. einfach alles. Soviel das es ein ganzes Zimmer füllen kann. Er ist vor etwa 3 1/2 Jahren verstorben. Der Verstand sagt natürlich das Zeugs endlich zu verkaufen, doch das Herz fühlt sich in dem Augenblick sehr schmerzhaft an.

Er hatte sich in seinem Zimmer wirklich ein Imperium aufgebaut. Naja und gestern fingen wir an das Zimmer durchzuwühlen um es einem lieben Herrn aus Wiesbaden zu verkaufen. Soviel das es grad für die OP reicht. Für sinnlosen Kram wollen wir die Sachen auf gar keinen Fall verkaufen.

Und beim Durchstöbern von Ersttagsbriefen entdeckte ich eine Briefmarke für bzw. aus dem Friedland. Friedland... hatte ich eigentlich schon ganz vergessen.

Friedland ist erstmal eine kleine Gemeinde von Göttingen. Dort landete ich mit meinen Eltern nachdem wir aus Polen "geflüchtet" sind. Ich erinner mich noch genau daran, weil es schon eine Zeit der Angst teilweise war. Mein Vater ist ja Deutscher und er bekam eine Genehmigung in Polen seine Familie in der DDR zu besuchen. Meine Mutter und ich jedoch nicht. Meine Mutter ist Polin. So reiste mein Vater ab. Meine Mutter besorgte sich in der Zeit eine gefälschte Ausreisegenehmigung. Wir hatten einen guten Freund der uns in die DDR rüberfahren konnte.

Wir mußten anscheinend früh morgens aufgestanden sein, denn ich war totmüde. Ich war da etwa 3 Jahre alt. Ich bekam ein blödes Marmeladenbrot zum Frühstück und gott weiß ich hasse Marmeladenbrot. Ich aß immer Brötchen mit einem süßes Fruchtkäse drauf. In Deutschland wird sowas gar nicht verkauft. Wir fuhren los. Mir war alles egal hauptsache mein "Mischu" mein Teddybär, der eigentlich ein Hund war, war dabei.

Die Grenzen waren für mich schon als Kind furchtbar. Wir standen sehr lange dort und ich sah wie sie einfach alles durchsuchten. Wir durften aus den Autos in manchen Gebieten nicht aussteigen. Meine Mutter warnte mich davor, sonst würde man auf mich schießen. Wobei ich echt nicht mehr weiß, ob sie das zu mir gesagt hatte. Wir kamen durch... und wir trafen uns auf einer großen Raststätte mit meinem Vater. Die Wiedersehensfreude war groß.

Und dann kamen wir nach Friedland. Wir hatten nichts dabei. Nur paar Kleider und halt das was man so auf dem Urlaub mitnimmt. All unseren schönen Möbel, unsere wunderschöne Antiquitäten waren weg.

Mir gefiel es dort als Kind. Dort waren viele Kinder mit denen mal spielen konnte und ... das war für mich völlig neu, dort stand ein Teebehälter wo man immer Tee trinken konnte.

Wir schlufen in einer Art Halle, wobei ich nicht mehr weiß ob die Erinnerung wirklich stimmt. Wir hatten alle Hochbetten und es war ziemlich voll mit Menschen. Dort traf man alle Übersiedler aus der DDR oder die sog. Spätaussiedler aus den Ostgebieten. Das ist schon merkwürdig. Das es gerade mal vor etwa 20 Jahren flüchtende Deutsche gab. Irgendwie ist das alles vergessen.

Mein Vater erinnert sich an einen Mann. Er erzählte, dass er ihn immer, einfach immer draußen sitzen sah. Irgendwann mußte mein Vater fragen, warum er immer draußen sitz. Der Mann war uralt und stammte aus Sibirien, ein Rußlanddeutscher. Er antwortete: "ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so schön in der warmen Sonne sitzen können".

Ja die Geschichten des kleinen Mannes... geraten viel zu schnell in Vergessenheit.

Schaut auch folgende Seite mal an: www.friedlandhilfe.de. Vielleicht könnt auch ihr helfen den kleinen Mann nicht zu vergessen.

„Völker, entsaget dem Hass – versöhnt Euch, dienet dem Frieden – baut Brücken zueinander“
(Text auf einem Heimkehrerdenkmal aus Friedland)

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