Dienstag, 17. Februar 2009

Folter / Todesstrafe

Lang lang lang hab ich mich mit den Themen "Folter/Todesstrafe" auseinandergesetzt. Nicht nur damals als ich noch Jura studierte, auch heute gerade wieder.

Auslöser war eigentlich heute Wer-kennt-wen als ich ne Gruppe fand die hieß "Tierquäler gehören erschossen". Neugierig klickte ich drauf und natürlich baute sich ein Bild des grauens auf. Ich muß nicht aufführen was dadrauf war... ich stellte mir die Frage was ich tun würde, wenn ich dort stehen würde und das mitangesehen hätte und ne Pistole in den Händen gehalten hätte.

Ich weiß ich beschäftige mich manchmal mit Themen die mir so in der Wirklichkeit vielleicht nie passieren würden. Ich frage mich nur, ist eine Todesstrafe wirklich das "Wahre"? Kinderschänder... Kopf ab, weg isses... Mörder... Kopf ab, weg isses... ist es wirklich so leicht? Jemanden zu Foltern um ein Menschenleben zu retten? Gerecht? Jemanden zu Foltern um 700 Leben zu retten? Gerecht?

Vor 10 Jahren hätte ich noch gesagt, ja erschießt den, ja hackt ihm den Kopf ab und ja foltert... Meine Ansichten änderten sich während einer Juravorlesung im 1. Semester. Ich glaube unser Professor hieß Dr. Falk. Er erzählte uns ein Szenario. Eine durchgeknallte Frau stielt ein Baby aus dem Krankenhaus und flüchtet. Die Polizei stoppt ihr Auto undn sieht das Auto beladen mit Windeln, Babynahrung etc. doch vom Baby keine Spur. Und sie will einfach nichts sagen! Was würdet ihr tun? Foltern? Überlegt mal kurz nach...






Hättest du jetzt an der Stelle gefoltert, wäre das Baby wohl inzwischen verhungert. Warum foltern, wenn der Wagen vollbepackt war mit Babysachen. Warum die Frau nicht in das Auto steigen lassen und weiter fahren lassen. Wo wäre sie voll hin gefahren mit ihrer Fracht? Wohl zum Baby... eine unauffällige Verfolgung hätte das Baby wohl gerettet. Manchmal werden wir nur vor eine Wahl gestellt... vor ein Ultimatum was uns zu einer gewissen Antwort zwingt... Foltern oder Gehen lassen? "Natürlich foltern", aber dazwischen gibt es soviele Facetten.

Übrigens bin ich jetzt Mitglied in "Tierqäuler gehören erschossen"... Das Bild war zu grauenhaft, als das ich da wegschauen könnte.
Petra (Gast) - 18. Feb, 00:03

Die Story war nicht schlecht... stimmt schon.
Das Thema an sich ist aber sehr heikel...
Todesstrafe ist nich okey... mit dem Gedanken kann ich mich nich anfreunden... das kann ich weder mit meinem Gewissen noch mit (unserer) Rechtsordnung, bzw allgemein mit Menschenrechten in Einklang bringen.
Folter ist davon zu unterscheiden.
Allein weil es nichts "endgültiges" ist.. natürlich kann man "unberechtigte" Folter auch nicht wieder rückgängig machen, aber der Tod ist dagegen ja doch noch mal finaler...
Ich schätze, bei Folger hat jeder seine eigene "Schmerzgrenze", was er noch für vertretbar hält, und was nicht. Das hängt auch sehr vom Einzelfall ab!
Bei der Frau mit dem Baby leuchtet die Alternative wohl jedem ein.
Wenn man aber nicht mit (zumindest hinreichender) Sicherheit sagen kann, dass die Frau zum Baby (oder allgemein: dem Entführten) führen wird, sieht die Sache wohl schon anders aus. Ich denke da grad an den Fall Gäfgen und den Daschner-Prozess.
Da hat man genau das versucht, nämlich abzuwarten, bis der Täter selbst zum Opfer führt.
Leider machte der aber keine Anstalten dazu, sondern war im Begriff, das Land zu verlassen.. was tut man da nun?
Zugriff ist wohl sicher die einzig vertretbare Möglichkeit, das ist wohl klar.
Wenn sich der Täter jetzt aber nun weigert, eine Aussage zu machen. Sicherlich, er hat ein Recht dazu.
Aber ich schätze, fast jeder wird sich in den Polizeichef hineinversetzen können, der vor so einem Menschen steht, der einfach nichts sagen will.
Der Schritt, in dieser Situation etwas zu sagen oder zu tun, was diesen Menschen doch zu einer Aussage bewegen könnte, ist wohl kein besonders großer, schließlich geht es um ein Menschenleben!
Ich will damit nicht sagen, dass da irgendwas im juristischen Sinne gerechtfertigt ist...sicher nicht..
Dafür hat im Fall Daschner der Polizeichef ja dann auch seine Strafe bekommen.
Zum Schluss ein kleiner Vergleich über den großen Teich: In den USA wäre in einem solchen Fall die Aussage nicht gerichtlich verwertbar gewesen! Ebensowenig wäre die aufgrund der Aussage gefundene Leiche als Beweis heranzuziehen gewesen!
Das heißt in letzter Konsequenz, dass ein Mörder straffrei (!) bleibt, weil das Strafermittlungsverfahren fehlerhaft war.

Ich weiß nicht, wie´s dir geht Nip, aber das kanns doch auch nicht sein, oder?

Eine Problematik die sich hier übrigens anschließt und mindestens genauso aktuell ist, wirft die Frage auf, ob man ein von Terroristen entführtes (Touristen-)Flugzeug abschießen darf (1. Grundsätzlich? 2. Wenn ein Inferno wie 9/11 droht?)
Was meinst du denn dazu? ;-)

Niphredil - 18. Feb, 10:31

Hallo Petra. Ich bin grad aufgestanden, vorderst du mich jetzt aber raus xD Ich muß erstmal versuchen wach zu werden. Mein Freund ist heute nacht um halb 4 oder so aufgestanden um nach Berlin zu fahren und danach lag ich bis 6 Uhr wach bis ich doch eingepennt bin und es aufeinmal 10 Uhr war oO Solange hab ich schon ewig nicht mehr gepennt...

Ja das Thema ist definitiv heikel. Man ist hin- und hergerissen. Jedoch bin ich nun selbst gegen die Todesstrafe. Wobei das auch wieder so ein Ultimatum ist... es gibt schlimmeres wie den Tod. Denn der Tod ist für mich gar nicht so etwas schlimmes. Manche Leute haben was anderes verdient.

Das Beispiel mit der Frau sollte eigentlich etwas anderes sagen, dass hab ich aber nicht dazu geschrieben, vielleicht erinnerst du dich noch. Es geht dabei nicht das Szenario umzubauen und zu sagen "was wäre aber dann da?" sondern es geht darum, dass man manchmal zu vorschnell zur Folter greifen würde anstatt seinen Kopf einzusetzen.

Der Fall Daschner damals war wirklich heikel. Ich konnte das damals nicht beurteilen, weil ich schon wußte das der Junge tot ist. Ich hätte ihn von daher nicht freigelassen... ich hätte ja bei der Polizei anrufen können, dann wären aber wohl die mit der Zwangsjacke vorgefahren.

Ich konnte mich definitiv in den Polizeichef hineinversetzen. Arbeitet der eigentlich noch? Oder hatte er Berufsverbot? Wie ging es eigentlich weiter mit ihm?

Naja was im Amiland passiert ist eh manchmal... balabala... wenn die Tante aus Amerika mal zu Besuch ist und die mal so ausplaudert was da alles passiert oder gemacht wird, da kann man sich echt nur an den Kopf halten. Von daher kann das nicht sein ^^ Das ist klar...

Diese Diskussion hatten wir damals auch mal kurz über das Flugzeug... ich weiß leider nicht mehr in welcher Veranstaltung. Ich habe mich dafür entschieden, dass man ein Passagierflugzeug nicht abschießen darf auch wenn es mehr Leben rettet. Weil man ein Menschenleben nicht aufwerten kann... es gibt keinen Wert dazu. Und ein Mensch ist nicht mehr wert als 2. Ein Mensch ist ein Mensch. Schön, dass das Verfassungsgericht damals der selben Meinung war. Ich hab die Thematik aber seitdem nicht mehr weiterverfolgt.

LG

P.s.: ich geh frühstücken... ich brauch morgens meine Dosis Compi xD
Petra (Gast) - 18. Feb, 10:46

Ja dann mal guten Morgen :-)

Daschner wurde zu ner Geldstrafe verurteilt, wenn ich recht weiß, auf Bewährung. Das war das aller aller Mindeste, was überhaupt möglich war.
Disziplinarisch wurde gegen ihn nichts verhängt, er wurde glaub ich versetzt, war aber bis zu seiner Pensionierung im letzten Jahr in einer Führungsposition.
Insofern ist ihm "wenig" passiert.
Das Gericht hat allerdings anerkannt, dass das nicht okey war... insofern also keine "Wende zum Unrecht".
Lies dir doch mal die Artikel dazu (zu Gäfgen und Daschner) bei Wikipedia durch. Hab ich gestern dann auch gemacht und ich fand das eigentlich recht informativ.
Vorallem weil die Sache immernoch nicht ganz zu Ende ist... Gäfgen hat sich ja mehrmals noch gewehrt bzw "Rechtschutz" erlangen wollen wegen der erlittenen Folter(androhung).
Das ging bis zum EuGH und ist momentan bei der Großen Kammer des EGMR anhängig. Das geht also noch weiter.

Zu der Flugzeugsache:
Ich meine, du hast sicherlich recht.
Auf der anderen Seite muss man schätzungsweise als Verantwortlicher erst mal mit seinem Gewissen vereinbaren können, dass man das Flugzeug mit (sagen wir mal) 50 Passagieren nicht über unbewohntem Gebiet runter holt sondern es "unbeschadet" richtung Frankfurt Innenstadt fliegen lässt...
So ne Entscheidung wollte ich nicht treffen!
Ich meine, klar, zurücktreten wirst du müssen - egal wie du dich entscheidest...
Die Frage ist nur, was mehr Menschen verstehen würden und was dein Gewissen sagt.
Am Ende steht doch hinter all dem die Frage, was man bereit ist, von seiner "Freiheit" gegenüber dem Staat zugunsten der eigenen Sicherheit zu opfern.
Das ist wiederrum wohl ne Frage, die jeder für sich beantworten muss

Waldlaeuferin - 18. Feb, 21:36

Harter Tobak

Todesstrafe? Nein.

Flugzeug abschießen? Auch nein.

Menschsein sollte immer ausmachen, dass man bis zum Ende, wie auch immer das aussehen mag, an das Gute im Menschen glaubt und trotzdem versucht zu retten was zu retten ist.

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